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Die reformierte Kirche Obfelden platzte fast aus den Nähten

Der Gemeindeverein Obfelden und die Reformierte Kirchenpflege hatten auf letzten
Sonntagabend zu einem feierlichen Weihnachtkonzert mit Sibylle Tschopp (Violine), Isabel Tschopp (Klavier) und
besinnlichen Texten gelesen von Pfarrer Peider Kobi eingeladen.
Von Ernst Schlatter
„Sage, wo ist Bethlehem? Wo die Krippe, wo der Stall? – Musst nur gehen, musst nur sehen – Bethlehem ist überall“.
Mit diesen Worten begrüsste Pfarrer Peider Kobi zur besinnlichen Feier mit festlicher Musik aus vier Jahrhunderten.
Von links: Sibylle (Violine), Isabel (Klavier)
Die Freudenbotschaft mit eigenen Worten weitertragen
Mit J. S. Bachs mächtiger Sonate für Violine und Klavier in h-moll setzten die Geschwister Tschopp einen
ersten Glanzpunkt: Das einführende Adagio in dieser Tonart, die aus der Tiefe strahlt. Ein Allegro mit bezaubernden
Melodiebögen – auch in den Piano-Stellen intensiv musiziert; das Andante mit einem einschmeichelnden Beginn,
das zum „Mitgehen“ einlud und schliesslich das neckische Zwiegespräch zwischen Violine und Klavier im abschliessenden
Allegro.
„Wenn da kein Raum mehr ist, um inne zu halten, wenn wir die Kindheitserinnerungen
schon fast vergessen haben, wenn wir die Gegenwart ausklammern oder sich nur ein schlechtes Gewissen breit macht
angesichts unerfüllter Träume vom gemeinsamen Leben und angesichts unendlicher Not in der Welt, dann
hat uns Weihnachten eingeholt: wir haben nicht mit ihr gerechnet.“
W.A. Mozarts Sonate für Klavier und Violine in A-Dur setzte einen versöhnlichen Kontrapunkt zu diesen
zu Herzen gehenden Gedanken von Peider Kobi: Das Andante grazioso mit grosszügigem Schritt, der aber auch
Zeit zu Beschaulichkeit lässt. Im ersten Klaviersolo etwas gehetzt und so nicht alle Feinheiten auskostend,
dann aber im tänzerischen Mittelteil und im zweiten Klaviersolo genau diese heitere Besinnlichkeit treffend,
die für Mozarts Musik so typisch ist. Der geheimnisvolle Dialog mündete in ein fulminantes Allegro.
Sich wegstehlen oder aufmerksam sein, dass das Neue uns noch erreicht
Jules Massenets (1842 – 1912) „Thais - Meditation für Violine und Klavier“ (ursprünglich aus einer von
Massenets Opern), von Sibylle Tschopp auswendig interpretiert, gab Raum, den Gedanken, die Pfarrer Peider Kobi
einstreute, nach zu hängen. Eine Meditation, die nicht einlädt, sich einlullen zu lassen, sondern von
den Tönen aufgemuntert, in Gelassenheit den Weg weiter zu gehen und sich Zeit zu geben, sich selber zu finden,
Glück zu empfinden und Hände zu finden, die einander begegnen.
Ernest Blochs (1880 – 1959) „Poème mystique“ (komponiert 1924 in Cleveland)
ist eine lyrische Entführung in eine mystische Welt der Geheimnisse, eine Gegenwelt, in der noch Raum ist
für das Ungesagte oder Unsagbare. Ein Virtuosenstück par excellence, in dem die expressiven Möglichkeiten
der Spätromantik sich paaren mit der Tonsprache des 20. Jahrhunderts und so ein intensives Klangbild erzeugen.
(Bloch, einer der bedeutendsten Schweizer Komponisten des 20. Jahrhunderts, lebte den grössten Teil seines
Lebens in den USA und ist unter anderen beeinflusst durch die Musik von Richard Strauss, Mussorgski und Débussy).
Es ist sehr verdienstvoll, dass Sibylle und Isabel Tschopp sich nicht nur der bekannten Literatur widmen, sondern
auch – zu Unrecht - eher selten gespielte Musik dem Publikum zumuten. Die Virtuosität der Geigerin zeigte
sich nicht nur im grossen zupackenden Strich sondern auch in der differenzierten Gestaltung eines einzelnen Tones,
die mehr sagt als hundert Worte. So klang im Mittelteil des Poème mystique der gregorianische Choral „Credo
in unum Deum“ – ein Glaubensbekenntnis also, das Hoffnung - gereift in der Tiefe - ausdrückt, eine Melodie
der Versöhnung und eine Hinführung in eine abgeklärte Gegenwart.
Das Publikum war begeistert von der intensiven Ausstrahlung und der reifen Interpretation der beiden Künstlerinnen und der grosse Applaus konnte sie zu einer Zugabe bewegen. Sicher waren die Konzertbesucher auch berührt von den treffenden Gedanken von Pfarrer Peider Kobi, die so wohltuend undogmatisch daherkamen. Dem Gemeindeverein und der reformierten Kirchenpflege kann man nur gratulieren, in unserer Zeit auf diese Weise ein Zeichen zu setzen und Brücken zu schlagen zwischen Kulturen und Religionen. Der Überschuss aus der Kollekte zur Deckung der Unkosten kommt Notleidenden in Armenien zugute.